Hallo, mein Name ist Sebastian Thalheim und
ich bin nun schon 4 Monate im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA.
Ich bin 17 geworden, in Washington gewesen, habe Cross Country gerannt, bin im
Schwimm-Team, war in der Home Coming Court und Cheerleader im Powder Puff
Football Game...
Beginnen wir aber von Anfang an. Der Abschied
von meiner Familie ist mir nicht sehr schwer gefallen, ich bin diesem neuen
Abenteuer mit offenen Armen entgegengerannt. Aufregung mit ein wenig Flauheit
gemischt - ich habe es so weit geschafft. Wir sind von Berlin nach New York
City über Frankfurt nach Columbus geflogen.
Nach der Landung und dem letzten unsicheren Gedanken über die erste
Begegnung mit der neuen Familie; dann das freundliche: „Hello, are you
Sebastian?“.
Mom und Dad. Das Auto war riesig, schien es. Wir sind essen gegangen, da
Columbus ca. 2 Stunden von Parkersburg entfernt ist.
Was ich denn trinken wolle? Tee. Warmen Tee so meinte ich. Doch es ist süßer
Tee und kalt. Dann habe ich erst Mal eine Strohhalmverpackung ins Gesicht
gepustet bekommen... Nachdem ich mein Glas geleert hatte, bekam ich sofort ein
volles Neues gereicht. Free Refill!
Dies alles war so neu für mich. Auf Knopfdruck
nur noch Englisch! Alles schien größer und mehr.
Wendy’s, Taco Bell, Pizza Place, Rax, Sonic; so viele neue Fast Food Ketten.
Einfach nur großartig. Es ist sehr spannend für mich neue Ketten kennen zu
lernen, da jede ihre Eigenheiten hat. Inzwischen kennen ich die meisten und
weiß was ich mag und was nicht... WalMart kannte ich vom Namen her und wollte
ich unbedingt sehen. Man kann alles kaufen; von Anziehsachen über Essen und
Fahrrädern bis hin zu Waffen und Yogurt.
Ich fühlte mich in meiner
neuen Familie sofort zu Hause. Meine zwei Gastbrüder Jesse, 15 und John, 20 haben mich auch gut
aufgenommen. Jesse hat mich auf eine
kleine Spritztour auf dem 4Wheeler mitgenommen, das ist eine Art Quad. Das war
total neu für mich, auch, dass er Traktor und Auto fahren kann.
Mein Verhalten gegenüber Deutschland hat sich nicht sehr verändert, nur dass
ich nun weniger Zeit habe am Computer zu sein und natürlich Englisch spreche.
Die ersten paar Tage hatten wir keine Schule
und ich bekam meinen Stundenplan; Kunst, Klavier, Kochen, Englisch und Physik.
Der Schultag wird hier täglich wiederholt.
An den ersten Schultag kann ich mich noch sehr gut erinnern; Wir sind im Auto
und fahren unsere ca 1 Meile lange Auffahrt zur Straße hinunter. Dann warten
wir auf den Bus. Ich bin sehr aufgeregt, ist es wirklich wie in den Filmen? Und
dann biegt der gelbe Schulbus um die nächste Straßenbiegung. Hält, und wir
steigen ein. Genau wie in den Filmen!
All die Klassen zu finden, war nicht einfach,
aber mir wurde freundlich geholfen. Beim Lunch wusste ich nicht wo ich mich
hinsetzten sollte, aber ein netter Junge aus meiner Kirche hat mir einen Platz
reserviert.
Nun nach 4 Monaten liebe ich die Schule umso mehr, da ich viele neue
Freundschaften geschlossen habe. Durch den Sport und die Klassen habe ich
Kontakt zu vielen Menschen und nicht nur zu ca. 30 Schülern, wie es in
Deutschland der Fall war.
Das ich ein nicht Amerikaner war haben einige
sehr schnell andere gar nicht rausgefunden. Aber sobald es kund wurde: viele
Fragen und Aufmerksamkeit, obwohl das erst später der Fall war. Viele fragten
mich, ob ich aus England käme, wegen dem britischen Akzent... Erstaunlich viele
Menschen wissen hier über Deutschland. 2. Weltkrieg usw. Auch manche können ein
paar Wörter Deutsch sprechen, oder sind Teil Deutsch. Hätte ich nicht erwartet.
Sobald ich auf die Frage: Woher kommst du denn? Deutschland antworte, ist die
Antwort häufig: Ah mein Großvater war Deutsch oder Meine Tochter ist durch
Europa gereist... Sehr spannend.
Von der Hauptstadt Berlin in das kleine
Örtchen Parkersburg in West Virginia. 3 500 000 Einwohner und 31 000. Von
Downtown aufs Land mit 40 Kühen, 2 Hunden und 2 Ha Land. Aber ich liebe es; Die
Wahrscheinlichkeit, dass man sich ein zweites Mal sieht ist sehr groß. So traf ich
z.B. meinen Doktor in WalMart und er hat mich erst Mal seiner Frau und Kindern
vorgestellt. Auch durch die englische Sprache in der kein Unterschied zwischen
„DU“ und „SIE“, informal/formal gemacht wir, ist der Kontakt einfach einfacher.
Wir haben EIN Kino und zwei Bowling-Hallen und EINE Shopping-Meile, so trifft
man sich leicht.
Landschaft
Die Landschaft ist hier sehr wild. Wir haben
viele Bäume. Gerade im Herbst haben sich die Blätter gefärbt, in schöne
Rottöne. Der Herbst verging aber schnell, da es viel geregnet hat. Die Weite
ist hier einfach überwältigend. Viel Weideland und dann die schönen Hügel. Wenn
man hoch genug kommt und den Horizont sieht, bleibt mir einfach der Atem.
Leben
Wir gehen hier Mittwochs zu jungen Gemeinde,
Sonntag morgens zur Jugend Schule in der Kirche und Abends in den Gottesdienst.
Die Kirche ist total anders als meine Kirche in Deutschland.
Nach der Schule, helfe ich auf der Farm;
Hacke, splitte Holz und füttere die Kühe.
18 bis 20 Uhr jeden Tag ist Schwimmtraining und an Samstagen haben wir
Wettkämpfe, für welche wir gerne 2 Stunden mit dem Bus unterwegs sind.
Wenn ich mich mit Freunden verabrede, gehen
wir entweder zur Mall oder spielen Football oder Baseball oder gehen zu einem
nach Hause und schauen Filme oder Serien oder wir gehen essen oder Bowling oder
ins Kino...
Go for it!
Das ich es bis hier in die USA geschafft habe,
kann ich immer noch nicht wirklich fassen. Es ist, so würde ich sagen, die
größte Errungenschaft, die ich soweit gemeistert habe. Lasst euch von der Idee
ein Jahr von euer Familie und Freunden getrennt zu sein und der vielen
Papierarbeit nicht abschrecken. Go abroad! Es wird das beste Jahr eures Lebens.
Ihr werdet euch selbst in einem ganz anderen Licht sehen, ihr bekommt die
Möglichkeit euch neu und frei zu entfalten, eine neue Kultur und Sprache von
innen heraus kennen zu lernen, viele neue Freundschaften zu schließen und
einfach ein tolles Jahr eures Lebens zu verbringen.
Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei
allen Menschen bedanken die mir dies ermöglicht haben. Da wäre meine Oma,
welche mir die nötige Ordnung und Leidenschaft vermittelt und gab um all die
Papiererei zu organisieren, meine Freunde, mein Onkel, mein Papa, meine Mama
meine Lehrer, WallStreet Institute und natürlich AFS. Einfach allen die mich
unterstütz haben.
Euer Sebastian Thalheim